Beau Jamal Abayomi vom Litzelsee

Beau Jamal Abayomi vom Litzelsee
*17.07.2012

Eltern: E.T. Hunter vom Heveser Hoff X Franca vom Hirschthürl

Nach dem Tod meines 12 1/2 Jahre alten Labrador Mischlings, der mit neun Jahren aus einer Beschlagnahmung zu mir kam, war für mich klar, dass ich wieder einen Labrador haben möchte. Es sollte dieses Mal aber ein Welpe sein und ein Labrador mit dem ich aktiv und viel draußen unterwegs sein kann. Ich recherchierte lange im Internet und stieß dabei auf die Seite des Deutschen Retriever Club e.V.. In der Züchterliste fand ich den Züchterzwinger „vom Litzelsee“ von Christine Mayer, der nur eine gute Stunde von mir entfernt ist. 

Ich schrieb Christine an, erzählte ihr von meinem Verlust und von meinem Wunsch zum ersten Mal selbst einen Welpen groß zu ziehen. Sie erzählte mir, dass sie in ca. einem halben Jahr mit ihrer Hündin einen Wurf mit Arbeitslinien Labrador plane und, dass ich doch gerne mal vorbeikommen könnte. Das ließ ich mir natürlich nicht zwei Mal sagen und so besuchte ich Christine und Franca und fühlte mich dort direkt gut aufgehoben. Bei einem zweiten Besuch begleitete ich sie zu einem Dummytraining um mir mal anzuschauen, was ich später alles evtl. mit meinem Hund so zur artgerechten Auslastung machen könnte. Ich fand das alles großartig und mich freute, dass Christine mir sagte, dass sie mir gerne, sollte Franca aufnehmen und Welpen gebären, einen Rüden aus dem Wurf überlassen würde.

Es war alles ja so spannend und die Wochen verstrichen. Erst die Nachricht der Läufigkeit, dann die Nachricht des Deckens, des Tragend seins und dann der Geburt. Sechs Rüden und zwei Hündinnen. Ich war überwältigt. Und sobald es möglich war fuhr ich jede Woche dann zu den Welpen bis zur Abholung. Es war wunderbar diese Aufwachsen zu sehen, wie sie die Augen öffneten usw. Beau kam ab der fünften Woche immer zielstrebig zu mir und meiner Fotokamera und es war dann auch bald klar, dass er einfach perfekt zu mir passte. Das Abenteuer Welpe und zum ersten Mal einen Welpen aufziehen startete am 15.09.2012 und es war wunderbar. Beau lehrte mich viel und ich lehrte ihn viel. Meine Unerfahrenheit machte er durch Zuvorkommnis wett und unsere Teambildung stieg stetig. Als Beau dreizehn Monate alt war passierte dann etwas was unsere Bindung auf eine harte Probe stellen sollte. Er rannte zusammen mit einem anderen Labrador beim Spielen aus vollem Renn Modus frontal in mein linkes Bein und bescherte mir somit einen Schienbeinkopfbruch ziemlich heftiger Art.


Mitten in der Pubertät musste ich Beau auf Grund dessen, dass ich drei Monate nicht laufen durfte, unterschiedlichsten Gassigängern anvertrauen, damit er seinen regelmäßigen Auslauf bekam. Ich schwitzte Blut und Wasser teilweise, da ich manche davon nicht gut kannte und hoffte inständig, dass ich die Gassigänge bald wieder von selbst erledigen konnte. Beau verstand zuerst gar nicht weshalb ich nicht mehr mit ihm rausgehe und sein Vertrauen in mich hat in dieser Zeit dann doch ein bisschen gelitten. Um so mehr erforderte nach meiner Heilung viel Geduld, Training und Bindungsspaziergänge bis wir wieder zu einem kompromisslosen Team zusammen fanden.

Beau bewährte sich in dieser Zeit aber als wunderbarer Helfer zu Hause im Alltag. Fiel mir irgendetwas mal ungewollt zu Boden hob er mir es ohne ihn darum bitten zu müssen auf. Dinge, die ich auf Grund meiner zwei Krücken nicht von A nach B tragen konnte, trug er für mich. Als ich nach einer gewissen Zeit einen elektrischen Rollstuhl erhielt und zumindest ein bisschen wieder selbst mit ihm rausgehen konnte, war es für ihn nie ein Thema völlig selbstsicher und unerschrocken direkt am Rollstuhl an der Leine nebenher zu laufen. Er zeigte sich in so vielen Situationen als sehr guter Krankenbegleiter und so beschloss ich mit ihm nach meiner Genesung ihn als Begleit- bzw. Besuchshund auszubilden. Ich hielt es für eine sehr gute Ergänzung zur Dummyarbeit. Ich nannte es immer eine so genannte „passive“ Arbeit, die Beau auf eine andere Art und Weise wie die Dummyarbeit forderte und auslastete.

Im Frühjahr 2015 war die Ausbildung abgeschlossen und wir besuchten ab dort immer ein mal wöchentlich ein privates Pflegeheim mit Demenzkranken, einer MS Patientin, etc. Beau spendete Woche für Woche auf die unterschiedlichste Art und Weise den Menschen dort Freude, Zuversicht, Hoffnung, Ablenkung und Trost und er liebte es dort hinzugehen. Es waren wirklich zwei wunderbare Jahre, die er dort mit mir verbrachte. Leider mussten wir die Tätigkeit aufgeben, da uns der caritative Träger für den wir dies ehrenamtlich machten, mehr und mehr Steine in den Weg legten, was ein Weiterführen dieser Arbeit nicht mehr möglich machte. Wir wechselten zu einer anderen caritativen Einrichtung, die sich mit den vielen hier in Sigmaringen angekommenen Flüchtlingen beschäftigte. Dort haben Beau und ich dann ab sofort uns schwerpunktmäßig um traumatisierte Flüchtlingskinder gekümmert. Viele von ihnen kannten Hunde nicht live und in Farbe, waren auch noch nie im Wald, oder sonstiges. Beau hat ihnen quasi also seine Welt gezeigt und den Kindern als Freund und Helfer Sicherheit und Stärke, ebenso Freude und Ablenkung gegeben. Es war eine wundervolle Aufgabe, die mit Schließung der Flüchtlingsunterkunft sein Ende fand.

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Neben all den ehrenamtlichen Tätigkeiten machten Beau und ich tolle Fortschritte in der Dummyarbeit. Außerdem durchlief Beau eine jagdliche Ausbildung bei der wir zuerst die JP/R und dann die BLP erfolgreich absolvieren konnten. Auch heute ist Beau jedes Mal Feuer und Flamme wenn es um Entenarbeit oder Nachsuche geht. Er liebt es seine Passion als Jagdhund auszuleben. Mittlerweile sind Beau und ich auch arbeitstechnisch wieder so eng zusammen geschweißt, dass er kein Befehl hinterfragt. Er ist jederzeit einweis- und lenkbar und ein unermüdlicher Arbeiter. Dank seiner enorm hohen Markierfähigkeit und Merkfähigkeit sind Marks und Memorys nie ein Problem, auch nach längerer Zeit und selbst auf Distanztechnisch weit entfernte Blinds lässt er sich ohne Befehle anzuzweifeln schicken, sucht wenn nötig ausdauernd in Gelände jeglicher Art. Leider entlädt sich manchmal seine Vorfreude aufs Arbeiten durch einen Ton, weshalb ich beschlossen habe ihn nicht mehr auf Workingtests zu führen. Beau braucht dieses Prüfungspremborium nicht und ich bin in den Trainings und bei den Arbeiten, die nicht von Richtern durch Punktzahlen bewertet werden entspannter. Wir haben somit beide unseren optimalen Arbeitsweg, gepaart mit viel gemeinsamer Freude gefunden.

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Im Alltag freut sich Beau immer wieder auf die Tage an der Hochschule, an die er mich nun schon über sechs Jahre begleitet. Er ist allseits beliebt, hilft selbst dort wo es nötig ist Studenten ihre Prüfungsangst einzudämmen und lehrt auch die Studierenden immer wieder vieles im Umgang miteinander. Aus dem Studienalltag ist er nicht mehr wegzudenken, genau so wenig wie aus meinem Rudel. Er war Elvis von Beginn an ein geduldiger Lehrer, verzieh mir als damalige Hundeanfängerin den ein oder anderen Fehler, gab mir von Anfang an die Sicherheit, dass es die richtige Entscheidung war mit ihm als Welpen meine ersten Hunderfahrungen zu machen und mit seiner unbändigen Menschenkenntnis signalisiert er mir des häufigeren mal wo Vorsicht geboten ist. Beau und Elvis haben ein wunderbar unsichtbares Band geknüpft und Beau hatte es nie nötig Elvis ständig klar machen zu müssen, dass er hier schon länger wohnt und über ihm steht. Die beiden leben völlig harmonisch im Alltag miteinander sind vollwertig in meiner Familie integriert.

Beau war von Anfang an bei meinen Patenkindern ein wichtiger Lebensbegleiter. Erst bei meinem älteren Patenkind, welches gleich alt ist wie er und ebenso jetzt ganz verstärkt auch bei meinem zwei ältesten Patenkind (aktuell vier Jahre alt) welches das Down Syndrom hat. Beau hat von Anfang an sich der Hilfe und Unterstützung hierbei verschrieben es ist einfach nur wunderbar wie die zwei zusammen ihren Lebensweg bestreiten, gemeinsam Abenteuer erleben etc.

Beau ist mittlerweile vom Aussehen her schon leicht grau um die Schnauze geworden. Gesundheitlich und konditionell ist er nach wie vor in einer unglaublich einzigartigen Form, er kann in Sekunden von Null auf hundert beschleunigen und eine unsagbare Power an den Tag legen, aber auch genau so schnell in sich ruhend das süße Nichtstun in unserem großen Garten genießen.

Ich hoffe, dass er noch nicht einmal seine Lebenshalbzeit erreicht hat und wir gemeinsam noch viele weitere Erfahrungen sammeln und Abenteuer erleben werden. Für mich hätte es keinen besseren „Einstiegshund“ in die Welt der Arbeitslinine Labrador geben können als ihn und ich bin ihm sehr dankbar, dass er den Weg in mein Leben gefunden hat.